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Wenn die Kinder den Partner ablehnen

Patchwork kann funktionieren. Was aber, wenn sich die erhoffte Harmonie zwischen den neuen Familienmitgliedern nicht einstellt?

Da hat man endlich ein neues Beziehungsglück gefunden und fühlt sich wie auf Wolke 7, und dann das: Ein Kind der neuen Partnerin oder des neuen Partners tritt Ihnen mit offener Ablehnung gegenüber. Das ist kein seltenes Phänomen, mitunter terrorisieren die Kinder regelrecht den „Neuankömmling“. Diese Situation belastet enorm, und sie ist nicht leicht aufzulösen. Was sind die Ursachen, und wie sollte man reagieren? Bevor Sie als neue/r Partner/in die Kinder als die Bösen sehen, die Ihre Beziehung sabotieren wollen, überlegen Sie, was sie zu ihrem Verhalten treibt. Oft haben die Kinder nämlich nachvollziehbare Gründe. Das liegt dann nicht an Ihnen persönlich.

Kinder sehnen sich in Trennungsfamilien häufig nach der Harmonie und Geborgenheit der Kernfamilie zurück. Neue Partner werden da oft als Eindringlinge und als Hindernis, gesehen. Dass Sie in der Lage sind, sich einer neuen Beziehung zu öffnen, interpretieren Sie als Entscheidung gegen den anderen Elternteil, und sie lehnen sich gegen das „Ersetzen“ des Vaters bzw. der Mutter durch eine andere Person auf.

Auch erwachsenen Kindern fällt es oftmals schwer, ein Elternteil mit einem anderen Partner glücklich zu sehen – insbesondere dann, wenn der andere Elternteil der gescheiterten Ehe nachtrauert. Oft entstehen solche Konflikte, weil das Auseinanderbrechen der Familie nicht gemeinsam verarbeitet und den Kindern nicht erklärt wurde, weshalb die Liebe erloschen und ein «zurück» keine Option ist. Dieses Todschweigen kann über Jahre psychischen Stress und Nachwirkungen verursachen - bei Eltern und Kindern.

Oft entstehen auch Loyalitätsprobleme: Zuzulassen, dass der neue Partner oder die neue Partnerin nett ist, würde Verrat am eigenen Elternteil bedeuten. Es kann auch sein, dass die Kinder Ihnen weiteren Kummer ersparen und eine weitere gescheiterten Beziehung verhindern wollen.

Wie aber reagieren als neue/r Partner/in, wenn die Ablehnung eines Kindes stark ist, unüberwindbar erscheint und Sie auch verletzt? Ein guter Weg ist es, zunächst dem Elternteil das Feld zu überlassen. Zurückhaltung schafft Raum, in dem vieles wachsen kann. Die Kinder freuen sich sicherlich auch, die Mutter oder den Vater allein zu treffen. Und wenn Sie sich ausklinken, dann geniessen sie die Zeit bewusst als „EGO-Time“: Pflegen sie ihr Hobby und entfliehen sie dem Alltagsstress, widmen sie sich ganz dem eigenen Wohlbefinden – und geben Sie diese Oasen auch für eine Partnerschaft nicht auf. Das gibt Raum für alle.

Wichtig ist, dass Sie nicht von Ihrem Gegenüber erwarten, dass er oder sie Partei für Sie ergreift. Familienbande sind stark, aber sie spielen auf einer völlig anderen Ebene als die Liebe in Ihrer Beziehung. Da gibt es keine Konkurrenz und daher auch keine Vorrechte. Beide Beziehungen haben ihre Berechtigung und brauchen ihren Raum.

Als Elternteil eines rebellierenden Kindes sollten Sie das offene Gespräch suchen. Machen Sie deutlich, dass Ihnen die Liebe Ihrer Kinder viel bedeutet, dass sie aber kein Ersatz für die Liebe eines Partners ist. Kinder wollen ihre Eltern nicht als Menschen mit dem Bedürfnis nach Nähe und Zärtlichkeit sehen. Aber ohne dieses Verständnis werden sie Ihnen keine Beziehung gönnen können. Sagen Sie auch, dass Sie das Risiko eines Scheiterns durchaus in Kauf nehmen, weil Ihnen die neue Partnerschaft guttut. Und seien Sie sich über Ihr Ziel im Klaren: Die Kinder sollten lernen, den neuen Partner oder die neue Partnerin zu akzeptieren. Sie müssen sich nicht mögen, um miteinander auszukommen.

In knappen Worten, und für beide Seiten der neuen Beziehung gilt: Nichts überstürzen, Zurückhaltung an den Tag legen, Raum geben, keinen falschen Ehrgeiz zeigen und Ablehnung nicht persönlich nehmen. Lassen Sie sich nicht unterkriegen und genießen Sie die Zeit mit Ihrem neuen Partner. Für Sie als abgelehnte/r Partner/in verweisen wir auf folgendes psychologisches Grundgesetz: Da man andere Menschen nicht ändern kann, ist es das einfachste, sich auf sich selbst zu konzentrieren. Ändern Sie also Ihre Einstellung, eine andere Möglichkeit haben Sie nicht (und wenn man bei sich selbst etwas ändert, ändern sich dabei auch oft die anderen). Wenn Sie sich als betroffener Elternteil mit den Ängsten und Vorbehalten Ihrer Kinder auseinandergesetzt und ihnen Ihre eigene Sicht der Dinge gezeigt haben, akzeptieren Sie deren Reaktion, ohne sie abzuwerten oder zu verurteilen - leben Sie jedoch Ihr Leben. Denn manchmal hilft alles nichts. Paartherapeuten sagen zur Rangordnung der Liebe: Das Paar muss füreinander an erster Stelle stehen, die Kinder stehen an zweiter Stelle.

Dieser Artikel wurde basierend auf Erfahrungen von Kundinnen und Kunden geschrieben, welche nach Trennungen/Scheidungen mit der Thematik konfrontiert sind. trennpunkt unterstützt Sie bei einer konstruktiven und fairen Trennung/Scheidung und sucht mit Ihnen gemeinsam Lösungen, um wieder positiv in die Zukunft sehen zu können. www.trennpunkt.ch

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